>>> Teheran - Bericht (momentan nur Bild)


Berlin ein Dorf und die Alpen eine Hügelkette
MUTMASSUNGEN zu der bevorstehenden Teheran-Reise

Was in jedem andern Land zum lächerlichen Anbiederungsversuch geriete, wird hier zur Pflicht: sich als Frau nach den Landessitten zu kleiden mit Mantel, Kopftuch, geschlossenen Schuhen. Sitte und Gesetz sind in dem Fall eins. Aus Information wird Erfahrung, und die Reise beginnt in einem türkischen Bekleidungsgeschäft. Eine Fotoserie der Mitfahrerinnen bei der An/Probe.*
Bei Google findet sich ein Ballungsraum mit 14 Millionen, statt der 5 Millionen von 1975. Man stellt sich Fragen, die bei Ankunft wahrscheinlich obsolet werden, so ein Riese von Stadt mit 14 Millionen kann nur voll von unkontrolliertem Eigenleben sein. (Stalinismus und Post-Stalinismus wohl vergessen, aber: Ist hier der Rest von Berechenbarkeit der Mächtigen größer oder kleiner? Wenn Gesetze nicht geschrieben, sondern in gewisser Weise tradiert sind, verfügen Sie für Insider über eine starke Vorhersehbarkeit, während der Außenstehende orientierungslos bleibt.)

Die Alpen als Hügelkette: nördlich von Teheran erhebt sich ein bislang namenloses Gebirge: Elburs (Kuhha-Ye-Alborz) und nicht einmal 100 km entfernt der Damawand mit 5601 m ü.NN. Innerhalb von 60 km fällt er 5670m ins Kaspische Meer ab.

[Das Innere ist durch Gebirgszüge in eine Anzahl Senken und Becken gekammert, die abflusslos sind. Infolge des Trockenklimas kann der vom Gebirge stammende Verwitterungsschutt bei der geringen Wasserführung der Flüsse nicht abtransportiert werden, so dass die Gebirge gleichsam in ihrem eigenen Schutt "ertrinken". In den Becken finden sich ausgedehnte Wüsten, die teilweise von den Flüssen mit salzhaltigen Tonen gefüllt sind und sich in der Regenzeit in Salzsümpfe verwandeln.wikipedia]

[Cornel Braun: Teheran, Marrakesch und Madrid. Ihre Wasserversorgung mit Hilfe von Qanaten, Dümmler, Bonn, 1974, ISBN 3427755215]

Ein Liter Diesel kostet 8 ct. Gestern zahlte man in Potsdam für Benzin 1Euro42.

SCHI IN DER WÜSTE
[This picture was taken on the inauguration day of the first ever ski lift in Iran, in 1951. Until 1951, Iran's pists lacked any proper ski lifts, until the efforts of the French coach 'Gaston Catiar' and the Iranian Ski Federation led to the inauguration of Iran's first ski lift on the 19th of January 1951. The first person to board it was a Polish lady by the name of 'Madame Louise'. The firsts are never forgotten! /iranian ski federation]

Leila Pazooki fragte nach der Erwartung: Das alte Bild islamischen Lebens diagonal zur versacehaften Rebellion (konnten Versace und Vuitton hier zur Rebellion werden?). Vermutlich werden die Deutschen wirken, als kämen sie direkt von einem ZurückzurNatur-Birkenstockträgertreffen/ leicht lächerliche Sektierer, die in der Weltgeschichte mäandern. So wie eine unauffällige Teheranerin hier vermutlich wie eine überteuerte Sonnenbankschönheit wirkt.
Das große Thema des Innen und Außen. In den Nordländern scheint die Trennung durch Klima bedingt und im Süden, in dem man schwitzt und der Körper sich tendenziell in Hitze und Ausdünstungen auflöst, wird die Einfriedung um die Familie herum gebaut. Einzige bisherige Direktansichten islamischer Kultur: Berliner Nachbarn und Kindergartenfreunde. Und die in Israel integrierten palestinensischen Ortschaften, die sich als lückenhafte Vororte ohne Zentrum (oder verwehte Müllkippen) in die Landschaft gießen. Innerhalb dieser Ortschaften (die keine Lager sind) gibt es drei Zonen: der Außenraum, der private (eingezäunte) außerhäusige Raum und das Innere des Hauses. Setze ich meine Berliner Ansichten an, so lässt sich vermuten, dass auch dort das Innere des Hauses so sauber ist, "dass man vom Boden essen kann". Dass die Frauen, die nicht nur als Hüterinnen, sondern auch als Herrscherinnen des Hausinneren gelten, ihr Haus auf die Straße mitnehmen ist folgerichtig.


Vermutungen über das Arbeiten in Teheran
Bisher war es nirgendwo anders: das Erwartete Bild löst sich im Angesicht vollkommen auf.
Schon im eigenen Kulturkreis ist es schwer genug, Kunst zu produzieren, die nicht überflüssig ist. Den Teheranern Teheran zu zeigen, ist mäßig erfolgversprechend, zumal das potentielle Hauptwerkzeug (Photokamera) mehr oder weniger unbenutzbar sein wird. Bleiben als abbildende Medien Tonaufnahmen, Zeichnungen und Abgüsse. Medien, nicht unspannend, mit denen eher geringfügige Erfahrungen vorliegen.
Etwas beim Handwerker herstellen lassen, Zelte oder Gebilde nähen lassen, Brot nach Form backen.
Eine der eigenen Arbeit innewohnende Generalkonzeption, die man einfach auf die vorgefundene Realität applizieren könnte, existiert nicht. Die schlichte selbstgestellte Frage, was einen teheranischen Zuschauer an einem Deutschen interessieren könnte, ließe sich schlicht beantworten:


Deutschland erklären.
Zunächst kam der Gedanke Iserlohn - eine Stadt von der bis dato unbekannt war, wo sie liegt - aus ihrer eigenen Internet-Päsenz heraus zu erklären. Aufhänger dafür war eine öffentliche Skulptur in >Iserlohn, das Schwingende Paar, die trotz all ihrer Beiläufigkeit, Erlässlichkeit und Anonymität große Kraft ausstrahlt.
Die folgende Erkenntnis war, dass die Arbeit eigentlich schon gemacht sei.

>>> Deutschland erklären/Entwurf zu einer Serie


* Inzwischen nährte sich die Vermutung, dass die ikonenhafte Inszenierung von Menschen nicht nur Leilas Individualinteresse ist, sondern einer kulturellen Ikonographie folgt: der frontale Blick des inszenierten und stilisierten (Figur des) Menschen in die Kamera findet sich bei einem Großteil der Arbeiten auf der iranian photographers website.